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Ski & Wintersport

Venter Runde – Ötztaler Weisheiten

Fünf Tage, fünf Dreitausender und unendlich viele Eindrücke: Die Venter Runde zählt zu den bekanntesten Skidurchquerungen der Ostalpen und ist der populäre Nachfolger der klassischen Ötztaler Runde. Eine grandiose Rundtour, die Raum lässt für einsame Varianten.

Tourengeher bei Martin-Busch-Hütte - Venter Runde
Nur noch wenige Meter bis zur Martin-Busch-Hütte © Stefan Herbke

Namen für Gletscherspalten

Man lernt immer was dazu, auch nach vielen Jahren in den Bergen. Etwa auf meiner ersten Venter Runde im März 2004, die mit einem langen Anstieg von Vent über die Martin-Busch- zur Similaunhütte startet. Es ist ein langsames Herantasten an die Faszination Ötztaler Alpen, ein gemächliches, gleichmäßiges Steigen, bei dem viel Zeit bleibt, die Landschaft zu genießen.

Auf der Similaunhütte ist der Gipfel des Similaun zwar schon in Sichtweite, dennoch zieht sich der Schlussanstieg. Vielleicht wegen der dann doch schon müden Beine, vielleicht aber auch wegen der Geschichten, die mein Bergführer Alois Pirpamer erzählte. Und so lernte ich, dass einige der gerade unter einer dicken Schicht Schnee versteckten Gletscherspalten Namen haben.

Zumindest die, aus denen Luis als Bergretter schon öfters Verunfallte herausholen musste. Und mit jedem Tag auf der Venter Runde und jeder neuen Geschichte verdichtete sich das Gefühl, dass er schon viele Bergsteiger aus einer Spalte retten durfte…

Eine Bergführerlegende: Alois Pirpamer

Bergführer Alois Pirpamer - Venter Runde
Er lebte in, von und für die Berge: Bergführerlegende Alois Pirpamer (†) © Stefan Herbke

Mit seinem von der Sonne gebräunten Gesicht, den schneeweißen Haaren und dem weißen Bart entsprach der mittlerweile verstorbene Luis dem Idealbild eines Bergführers. Einer, der in, von und für die Berge lebte. Einer, der sein Leben lang unterwegs war und dabei extrem viel erlebt hat. Und mit seinen Geschichten jede Etappe zu einem ganz besonderen Erlebnis machte.

Beim Anstieg von der Similaunhütte auf die Fineilspitze kamen wir am Ötzi-Denkmal vorbei. Bei der Bergung der mit rund 5300 Jahre ältesten Gletschermumie der Welt war Luis dabei. „Anhand der Beifunde haben wir zwar schon beim Ausgraben gemerkt, dass der länger im Eis lag“ erzählte Luis, „aber dass er gleich so alt ist, daran hat keiner gedacht. Und jetzt ist er unsere größte Attraktion – neben unseren schönen Gipfeln“.

Recherche auf der Venter Runde

Es war ein Genuss, mit ihm für eine Reportage in der Alpenvereinszeitschrift Panorama die Venter Runde zu gehen und dabei in fünf Tagen die klassischen Ötztaler Dreitausender Similaun (3599 m), Fineilspitze (3514 m), Weißkugel (3738 m), Fluchtkogel (3500 m) und Wildspitze (3768 m) zu besteigen. Eine Tour inmitten einer einsamen Hochgebirgslandschaft, weit abseits der Zivilisation.

Wie auf eine Oase in der Wüste freuten wir uns etwa nach der schier endlosen Abfahrt über den kilometerlangen Eisstrom des Hintereisferners auf die nächste Hütte, die Schutz und Geborgenheit bietet – und von seinem Sohn Thomas Pirpamer geführt wird.

Hüttenwirt Thomas Pirpamer - Venter Runde
Hüttenwirt Thomas Pirpamer am Zapfhahn © Stefan Herbke

Die Venter Runde ist eine Tour, auf der man schon nach wenigen Minuten den Alltag hinter sich lässt – und damit auch alle möglichen Sorgen und Probleme – und dafür Eindrücke und schöne Bilder für einen ganzen Tourenwinter sammelt. Und so ergab es sich, dass ich nur vier Wochen später mit einem Filmteam des Bayerischen Rundfunks wieder vor Ort war, um für die Bergsteigersendung Bergauf-Bergab einen Beitrag über Luis und die Venter Runde zu drehen.

Eine neue Generation: Paul Walser

Bergführer Paul Walser - Venter Runde
Stets auf der Suche nach Neuland: Bergführer Paul Walser © Stefan Herbke

Es dauerte neun Jahre, bis ich mich wieder auf den Weg machte. Wieder für eine Geschichte in der Alpenvereinszeitschrift Panorama. Diesmal allerdings mit Paul Walser, einem jungen Bergführer aus Obergurgl. Ein begeisterter Bergsteiger und ein begnadeter Skifahrer, der immer auf der Suche nach Neuland ist. Denn auch das gibt es bei der Venter Runde.

Natürlich kann man den üblichen Wegen folgen, wobei man hier immer noch auf weiten Strecken allein unterwegs ist, doch gerade bei der Venter Runde sollte man einmal über den Tellerrand schauen. Letztlich ist die Runde nur der Schlüssel, um die Vielfalt des Ötztaler Skitourenangebotes zu entdecken. Nicht nur mit den Augen eines Paul Walser entdeckt man links und rechts der Venter Runde ein Tourenangebot, das von vielen schlichtweg übersehen wird und nur darauf wartet, dass hier jemand als erster seine Spuren in den unberührten Schnee legt.

Tourengruppe - Venter Runde
Kurze Pause, bevor der Schlussanstieg wartet © Stefan Herbke

Variante auf der Wildspitze

Deshalb nehmen wir zum Finale die Ski mit auf den mit einem großen Kreuz geschmückten Südgipfel der Wildspitze und starten nach der kurzen Überschreitung die Abfahrt nach Vent am einsamen Nordgipfel. Direkt über den schmalen Nordwestrücken und damit am Rand der steil abfallenden Nordwand schwingen wir vorsichtig hinunter in einen Sattel.

Noch ein paar Schwünge nach Norden, dann erlaubt das Gelände eine Querung über die Randkluft unter die eindrucksvolle Nordwand der Wildspitze. Nach einem kurzen Gegenanstieg fahren wir auf den Rofenkarferner ab und genießen dort auf den noch unberührten Flächen den ersten Frühjahrsfirn – und freuen uns über die im Vergleich zur üblichen Route durch das Mitterkar skifahrerisch viel lohnendere Variante.

Die schier endlose Abfahrt über knapp 2000 Höhenmeter ist für mich das i-Tüpfelchen einer an Erlebnissen reichen Venter Runde, die mit einem verdienten Einkehrschwung in Vent endet.

Detaillierte Informationen zur Venter Skirunde gibt’s HIER.

Gastautor Stefan Herbke

Stefan Herbke (www.bergbild.info) liebt Skitouren, wobei es gerne auch eine mehrtägige Durchquerung mit langen Abfahrten sein darf.

Der Alpinjournalist schreibt und fotografiert für alle relevanten Bergzeitschriften und veröffentlichte mehrere Skitouren- und Wanderführer.

Titelbild: © Stefan Herbke

Gastautor Stefan Herbke - Venter Runde
Glücklich am Gipfel: Gastautor Stefan Herbke © Stefan Herbke

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